Wand-Lettering

Das Städtchen Gräfenberg in Oberfranken hat – mit allen eingemeindeten Dörfern – viertausend Einwohner, drei Brauereien und einen Bahnanschluss Richtung Nürnberg. Über den kommen am Wochenende die Bierwanderer und absolvieren den 5-Seidla-Steig. Auf meiner Herbsttour konnte ich sie in ihren primärfarbenbunten Wetterjacken schon von weither sehen.

Im Gasthof einer der Brauereien habe ich übernachtet, und an der zweiten kam ich vorbei. Besonders hatte es mir der schöne 60er-Jahre-Schriftzug über der Rampe angetan. Heute nennt man so etwas „Hand-Lettering“: geschwungene Buchstaben mit der Anmutung von Handschrift. Dieser hier brauchte keine gemalten 3-D-Effekte, der Schattenwurf ist echt und der Oktobermorgensonne gedankt.

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Rampe der Brauerei Friedmann in Gräfenberg, vor Ort mit Bleistift skizziert und zu Hause koloriert.

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Volkskunde

Die fünfte Etappe meiner Pilgerwanderung hat begonnen. Einmal längs und vielleicht auch ein bisschen schräg von Deutschlands Mitte bis zum Bodensee, so ist es geplant, angekommen bin ich mittlerweile in Oberfranken. Bamberg war der Schlusspunkt der vierten Etappe, Nürnberg das nächste Ziel. Dazwischen: Die Fränkische Schweiz, ein kleines bisschen östlich der als solche ausgeschriebenen Pilgerwege. Eine ländliche und, ja, ein bisschen abgelegene Gegend, das hatte ich schon bei den Vorbereitungen gemerkt.

Die erste Übernachtung im Kloster Kirchschletten, wo ich vergangenes Jahr aufgehört hatte, und dann weiter hügelauf hügelab Richtung Südosten, Unterkunft in Würgau in einem Brauereigasthof, wie es hier noch viele gibt, kleine Familienbetriebe, wo die Leute aus den umliegenden Dörfern ihr Bier kastenweise holen und auf eine Brotzeit oder einen Braten mit Klößen einkehren.

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Die „Brauerei Hartmann“ in Würgau. Der Gasthof ist fachwerkhübsch, doch die Braukessel tragen Wirtschaftswundermode – Kacheldekor und eloxierte Fensterrahmen.

Am nächsten Tag 150 Höhenmeter hoch auf den Fränkischen Jura, ein Karstplateau, das immer mal wieder von tiefen Schluchten durchzogen wird. Oben flaches Land, fast parkartig, Schlehen- und Weißdornhecke filtern den hier vermutlich immer wehenden Wind, Kreuze und Kapellen an jeder Wegkreuzung. Im Dorfgasthaus sitzt, als wäre er für die Zeichnerin bestellt, der Herr Pfarrer mit am Stammtisch.

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Stammtischpublikum in den „Drei Kronen“ in Königsfeld/Oberfranken.

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