Chinoiserie II

Vor einiger Zeit habe ich ein chinesisches Teehaus mitten in Hamburg gezeichnet und dabei auch ein bisschen über die europäischen China-Moden nachgedacht. Für Mitteleuropäer eher unerwartet trifft man auch auf Madeira immer mal wieder auf Chinesisches, war doch die jesuitische Ostasien-Mission der portugiesischen Krone unterstellt. (Scorseses Film „Silence“, der gerade in unsere Kinos kommt, erzählt davon.)

Vielleicht deshalb, vielleicht auch aus ganz anderen Gründen finden sich im „Monte Palace Tropical Garden“ oberhalb von Funchal mehrere in ostasiatischem Stil gestaltete Gartenabschnitte. Der Garten, ganz in der Nähe der Wallfahrtskirche gelegen, ist in einer schattigen Schlucht gelegen, die nicht nur mit Chinoiserien, sondern mit einer geradezu psychedelisch anmutenden Mischung an Pflanzen und Sammelstücken angefüllt ist, verbunden mit Wasserfällen, Brückchen, Tempelchen, Teichen …

Neben den zahlreichen ostasiatischen Objekten gibt es eine riesige Sammlung portugiesischer Azulejos (kunstvoll gestalteter Kacheln), ein Sammelsurium an Plastiken vom alten Rom bis zur Gegenwart, sandsteinerne Reste (meist Fensterrahmen) von madeirischen Häusern – mehr haben die zahlreichen Naturkatastrophen aus den ersten Jahrhunderten der Inselbesiedlung nicht übrig gelassen – , moderne afrikanische Kunst und eine Mineraliensammlung. Wenn man ausnahmsweise mal kein Artefakt im Blickfeld hat, meint man, gleich käme Captain Jack Sparrow hinter dem nächsten Farnwedel hervor, denn auch die Bepflanzung ist ausgesprochen eklektisch und erinnerte mich Schatzinselfilme.

Bei meinem ersten Besuch vor drei Jahren habe ich mich zuerst einmal von dieser Pflanzenwelt überwältigen lassen. Dieses Mal bin ich ganz gezielt hingefahren, um mir zumindest einen Teil der ausgestellten Dinge näher zu betrachten und zu zeichnen.

fullsizeoutput_4a7

Chinesische Steinlaterne im „Tropical Monte Palace Garden“ oberhalb von Funchal/Madeira

Advertisements

Chinoiserie

Viele Male war ich als Kind im Park von Sanssouci, und häufig lag das Chinesische Teehaus am Weg, ein von Blattgold strotzendes Rokoko-Tempelchen, von dessen Dachtraufe putzige vergoldete Troddeln hingen, unter denen galante Paare mit Tatarenbärten und Sonnenschirmchen turtelten – wie man sich das ferne und nur wenigen von Angesicht bekannte China derzeit eben vorstellte. Chinoiserie war eine Mode der Zeit.

Gestern hatte ich die glückliche Gelegenheit, in Hamburg eine ganz andere Chinoiserie zu zeichnen. Im Stadtteil Rotherbaum findet sich zwischen Gründerzeit- und Art-Deco-Fassaden unvermittelt ein chinesischer Bau, wie er chinesischer nicht sein könnte: Das „Yu-Garden“-Teehaus, ein Geschenk der Stadt Shanghai an die Partnerstadt Hamburg. Hier ist das Hamburger Konfuzius-Institus zu Hause – das chinesische Pendant zum Goethe-Institut -, ansonsten dient das aufwändig in traditioneller chinesischer Bauweise errichtete Gebäude als Veranstaltungs- und Tagungsgebäude.

Anlässlich des chinesischen Neujahrsfestes waren die Hamburger Urban Sketchers eingeladen, in dem Gebäude zu zeichnen, und ich hatte mich ihnen angeschlossen. Mein morgendlicher Aufbruch in Schwerin war etwas holprig gewesen und als ich mit dem Zeichnen beginnen wollte, hatte ich nur ein Skizzenbuch mit viel zu glattem Papier und gar keinen Bleistift dabei. Ich probierte verschiedenes aus, diese Skizze des über dem kleinen Teich fast schwebenden Teepavillons habe ich vor Ort mit einem hellgrauen „Graphik“-Liner von Derwent angelegt. Zu Hause gefiel mir der zarte Grau, und ich vertiefte mit es mit Lexington Grey Ink von Noodlers und nicht zu viel Farbe. Ostasien war bei dieser Übung gleich zweimal mit im Spiel: die schöne graue Tinte steckt in einem feinen japanischen Füller (Pilot Prera) und die Aquarellfarben sind von er koreanischen Firma Mijello – leuchtende, kräftige, dabei wenig opake Töne, die ein bisschen an Acrylfarben erinnern.

fullsizeoutput_431

Teepavillon im Hamburger Yu-Garden.