Porträt einer Eiche

Als Abschluss meines Belliner Wochenendes habe ich eine Eiche porträtiert, eine Eiche, wie sie eichiger kaum denkbar ist, einen solitären Baum von mindestens 200 Jahren mit mächtigem Stamm und nach allen Seiten ausladenden, reichlich beblätterten Ästen: eine Persönlichkeit, für die der Begriff „Porträt“ durchaus angemessen ist.

Auch hier hatte ich Zeit: ich konnte vor Ort die Form und die wichtigsten Schatten anlegen. Heute hatte ich Gelegenheit für die Feinarbeit. Bei der technischen Gestaltung habe ich mich von Claudia Nice‘ wunderbarem Buch „Creating Textures in Pen&Ink with Watercolor“ anregen lassen.

Eiche. PITT-Pen und Wasserfarbe auf Arches HP 300g.

Eiche. PITT-Pen und Wasserfarbe auf Arches HP 300g.

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Eiche am Grenzweg

Eiche an einem alten Grenzweg bei Kritzow östlich von Schwerin

Eiche an einem alten Grenzweg bei Kritzow östlich von Schwerin

Von meiner Nachmittagswanderung in der Kritzower Gegend hatte ich mehrere kurz angedeutete Skizzen mitgebracht, zu kalt war es für eine ausgeführte Arbeit, zu nahe die Dämmerung, um zu verweilen. Diese Eiche hatte ich mit ein paar breiten Aquarellstrichen angelegt, die natürlich nicht trocknen wollten und später vom Löschpapier fast aufgesaugt waren.

Als ich es heute, aus zwei Tagen Abstand, wieder in die Hand nahm, war eine seltsame Verwandlung mit dem Fragment geschehen: die Eiche auf dem alten Grenzweg inmitten von Findlingen schien geradewegs aus einem Märchen gekommen zu sein, einem Märchen, in dem Eichbäume Geheimnisse wahren und in den Steinen verwunschene Kinder auf ihre Erlösung warten …