Lübeck 1500

Anfang Januar war ich in Lübeck in der Ausstellung „Lübeck 1500“, einer spektakulären Sammlung sakraler Kunst aus dem Ostseeraum. Zeichnend konnte ich nur einen Bruchteil erfassen, habe mir auch leider keine genauen Notizen zu Herkunft und Entstehung der Bildwerke gemacht, und mittlerweile hat sie leider geschlossen.

Ich habe mich auch an zwei Madonnen versucht, aber am schönsten sind dann am Ende die etwas dynamischeren Motive geworden. Der grünbraune warzige Teufel zu Füßen des heiligen Antonius hatte es mir besonders angetan. Im Original ist er vielleicht 60 cm hoch, also nicht ganz klein. (Das war überhaupt das Schönste an der Ausstellung, dass man diese sakralen Kunstwerke, die sonst in Kirchen irgendwo hoch oben oder weit weg stehen, von Angesicht und auf Blickhöhe sehen konnte.)

Der seelenwägende Michael ist überlebensgroß und dürfte für einen mittelalterlichen Menschen recht beeindruckend gewesen sein. In der linken Waagschale bemüht sich ebenfalls ein Teufel. Mit einem Mühlstein versucht er, dem Gewicht der guten Werke der armen Seele etwas entgegen zu setzen – vergeblich.

 

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Beim Heiligen Geist

Vor zwei Wochen war ich in Wismar und hatte zwei Nachmittagsstunden Zeit zum Zeichnen. Kurz hinter der Heilig-Geist-Kirche fiel mir ein hübsches neugotisches Portal ins Auge, und als ich hindurch auf den Hof ging, war ich ganz verzaubert. Ich stand auf der Rückseite der Kirche, zwischen den alten Mauern blühten Malven, ein Brunnen spendete Wasser und dichte alte Bäume Schatten. Ein Teil der umgebenden Häuser wirkte wie ein kleines Altersheim oder eher eine betreute Wohnanlage.

Es war ein wunderbar stiller und aus der Zeit gefallener Ort, und ich erinnerte mich, dass ich vor über dreißig Jahren in Greifswald in „St.Spiritus“ ein ganzes Frühjahr lang an einem ähnlichen Platz für meine Prüfungen gelernt hatte. Die pittoresken winzigen Häuschen waren auch in den 80ern schon Museum, aber durch eine Tür in der Nebenstraße gelangte man in den Hinterhof des Hospitalhofes, mit Blumenbeeten und einem Gartentisch, an dem außer mir nie jemand saß.

Ich erinnerte mich auch an ähnliche Hospitäler in anderen Hansestädten, das prächtige Heiligen-Geist-Hospital in Lübeck und das Johanniskloster in Stralsund, wo ich 1980 noch die puppenstubenhafte Wohnung der letzten Bewohnerin des so genannten Räucherbodens besuchen durfte. Auch dieser Ort verströmte damals die Atmosphäre von Zuflucht und zeitloser Stille wie der Heilig-Geist-Hof in Wismar heute noch.

Hof des Heiligen-Geist-Hospitals in Wismar. Zeichnung mit Super5-Tinte in S&B Beta, koloriert mit Wasserfarbe.

Hof des Heiligen-Geist-Hospitals in Wismar. Zeichnung mit Super5-Tinte in S&B Beta, koloriert mit Wasserfarbe.