Bunte Stube und bunte Mischung

Als Nachtrag meines Greifswald-Besuchs traf ich mich zwei Tage später noch einmal mit Freunden, die in Ahrenshoop Urlaub machten. Während die beiden in der „Bunten Stube“ nach Geschenken suchten, versuchte ich so schnell wie möglich das künstlerkoloniemäßige Äußere des Baus einzufangen (Bäderstil x Bauhaus). „So schnell wie möglich“ hieß in diesem Fall, dass die kleinen Kritzeleien noch kritzliger wurden und das größere Bild beim Aufbruch noch recht im Rohbau war; ausgebaut habe ich ihn dann zu Hause.

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Die „Bunte Stube“, ein traditioneller Andenken- und Buchladen in Ahrenshoop.

Zu Hause habe ich ein bisschen „Reportage“ geübt und dabei die kleinen Bilder etwas größer gemacht und mit Farbe versehen. Links der Schweriner Hauptbahnhof mit dem „Seenotbrunnen“ auf dem Bahnhofsvorplatz, dessen erotisch aufgeladene Szenerie zur Zeit der Aufstellung die Schweriner Gemüter erhitzte. Rechts zwei Blitzlichter meines heutigen Abendessens im Einkaufszentrum.

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Schweriner Stadtszenen, schnell und ohne Vorzeichnung mit Füller gezeichnet und zu Hause koloriert.

 

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Reportage

In der letzten Zeit habe ich mich ein bisschen intensiver damit beschäftigt, wie es mit dem derzeitig ziemlich populären „urban sketching“ eigentlich angefangen hat. Visueller Journalismus durch Zeichnen, das war das Motto der ersten Gruppe um den spanisch-amerikanischen Zeichner Gabriel Campanario.

So eine gezeichnete Reportage ist nicht einfach: Menschen bewegen sich, die Szene wechselt, das Wetter auch, ein Logenplatz zum Sitzen ist eher die Ausnahme und nachträgliches Überarbeiten ist nicht jedermanns Sache. Heute habe ich es mal mit einem Ereignis versucht, das in in gewisser Weise ebenso spontan, authentisch und unperfekt war – und ebenso meint unter einer englischen Überschrift daherkommen zu müssen: der Symphonic Mob auf dem Schweriner Marktplatz, einem Mitmach- und Mitsingkonzert.

Ich habe das Bild komplett vor Ort gezeichnet, einschließlich Farbe, Schrift und ungeplantem lila Farbklecks. Überragt werden die Musiker von Peter Lenks garstig-schönem Löwendenkmal. 

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Beim Symphonic Mob auf dem Schweriner Markt; Graphit und Wasserfarbe in einem Hahnemühle Aquarellbuch.


Die scharlachrote Tür

Am Anfang der diesjährigen Freiluftsaison hatte ich mir vorgenommen, möglichst viele Schweriner Türen zu zeichnen. Anfangs war ich auch mit Begeisterung bei der Sache: An ein paar Wochenendmorgen, wenn die Straßen noch leer sind und das Licht schön schräg fällt, zog ich mit Hocker und Malzeug los.

Veröffentlicht habe am Ende nur eine, alle anderen waren irgendwie nur halb- oder viertelfertig geworden; dann kam der Urlaub mit dem Pilgerweg und danach ein mit Terminen gut gefüllter Sommer. Jetzt, wo es zu meiner geliebten Morgenzeit schon zu kühl und zu dunkel ist, sind mir die Türbilder wieder in die Hände gefallen. Was nun damit anstellen? Weglegen? Vollenden? Halbfertig veröffentlichen?

Nachdem ich mich in der letzten Zeit an einigem öffentlichen Nachdenken über Urban Sketching, über Spontaneität und Authentizität beteiligt habe, hier ein Bild mit Mut zur Lücke. An dieser Tür mit ihrem unglaublich überladenen Dekor, weiß vor rotem Klinker mit scharlachrot gestrichenem Türblatt, komme ich seit Jahren mehrmals in der Woche vorbei – satt gesehen habe ich mich noch nicht an ihr. Ich zeige das Bild fast genau so, wie es vor Ort entstanden ist, lediglich das Rot habe ich zu Hause noch einmal ein bisschen vertieft.

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Die Tür in der Schweriner Landreiterstraße 23, gezeichnet mit Noodlers Lexington Grey Ink in einem Stillman&Birn Beta Ringbuch. Das Dekor ist ziemlich eklektisch: Ein Löwe, Narrenköpfe und Fruchtgirlanden. 


Nichtengeschichten – Teil 3 und Schluss

Nach dem Schuhkauf ging es ins Hüpfburgenland – das die beiden schon am Vortag beim Vorbeifahren mit großen Augen angestaunt hatten: primärfarbenbunte Scheußlichkeiten aus Plastik, weithin über den Schweriner Burgsee leuchtend. Mein Onkel, der Opa der beiden, pflegte die Definition von Kitsch daran festzumachen, ob etwas Kindern gefiele … Nun, die beiden waren begeistert.

Der nächste war der letzten Nichtentag, und wir verbrachten ihn zusammen mit Freunden entspannt im Schweriner Volkskundemuseum. Zwischen alten Bauernhäusern – die für meinen Geschmack leider etwas unvermittelt im Gelände stehen – ist ein idealer Platz für Familien mit Kindern: Spielmöglichkeiten, Picknickplätze, Seeufer (und wenig Publikum, schön für uns und schade für das Museum.)

 


Nichtengeschichten – Teil 1

In der letzten Woche hatte ich meine beiden Großnichten (3 und 5 Jahre alt) zu Besuch. In einigen Ruhemomenten habe ich versucht, etwas von dem Zauber dieser Tage einzufangen und dabei viel tiefer als sonst in die Scrapbook-Kiste gegriffen. Hier die ersten beiden Tage.


Schöne Türen in Schwerin

Die Schweriner Innenstadt ist überreich an schönen Haustüren. Für diesen Sommer habe ich mir vorgenommen, einige von ihnen abzubilden. Es ist ein schönes Projekt: so eine Tür hat immer etwas von einem Mandala mit ihren Symmetrien und Harmonien.

Am besten geht das am frühen Morgen, wenn noch niemand auf den engen Straßen unterwegs ist; leider versperren dann auch die meisten geparkten Autos den Blick. So wird die Auswahl wohl vor allem davon bestimmt sein, wo mal eine Lücke ist.

Angefangen habe ich mit einer Tür, die nicht zu den ganz alten zählt; sie mag vielleicht 90 Jahre alt sein, aus den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Der Holzkorpus der Tür ist unspektakulär, die Verglasung von einem schönen schmiedeeisernen Gitter geschmückt; das Besondere sind die kunstvollen, z.T. farbig glasierten Formziegel, mit denen nicht nur die Tür, sondern – hier nicht sichtbar – die gesamte Fassade gestaltet ist.

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Tür Puschkinstraße 8 in Schwerin.


Das Wiedersehen

Vergangenen Sonntag hatte ich es endlich einmal geschafft, in die ständige Sammlung des Staatlichen Museums Schwerin zu gehen. Leider erst am Nachmittag, Schließzeit ist 17:00, so dass es nur für einen ersten Überblick und eine Zeichnung reichte. Beim Überblick gingen mir schier die Augen über von den Schätzen, die ich in den letzten Jahren ignoriert hatte, der riesigen Holländersammlung, dem lebensgroßen (!) Nashorn von Oudry und den Elfenbeinschnitzereien. (Und, ja, es gibt auch noch den neuerdings angefügten Anbau voller Dada, Videoinstallationen und Ueckerscher Nagelbilder … )

Ein Platz zum Zeichnen fand sich in der Barlach-Sammlung. „Das Wiedersehen“ ist eine Bronzeskulptur, nicht sehr groß, einen knappen halben Meter hoch, die kleinere Version einer doppelt so großen Holzplastik. Ich hatte noch Zeit, ein bisschen Perspektive zu treiben, ein paar Hilfslinien anzudeuten und die beiden Figuren mit grauer Tinte auszuführen. (Zu Hause mit der Farbe tat ich mich schwerer.)

Und beim Zeichnen hatte ich wieder einmal Gelegenheit, darüber zu sinnieren, dass es großer Kunst überhaupt nicht schadet, wenn man sieht, wie sie „gemacht“ ist. Zu sehen, in welcher wunderbar spannungsvollen Nähe die beiden Figuren zu einander stehen, fast ornamental, wie gerade der Jesus, wie gekrümmt der Thomas (denn dieses Wiedersehen ist es, was Barlach abbildet, der Auferstandene und der „Ungläubige“); und wie der Thomas sich an Jesus aufrichtet, von ihm gehalten und getragen wird.

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„Das Wiedersehen“, Bronze von Ernst Barlach, ausgestellt im Staatlichen Museum Schwerin. Noodler’s Lexington Grey Ink in Stillmann&Birn Beta, mit Wasserfarben koloriert.