Noch ein heiliger Hügel

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Die Hankirche oberhalb von Prächting

Das Land am Obermain ist reich an mit Kirchen und Kapellen bebauten Hügeln. Neben den drei weithin bekannten – Vierzehnheiligen, Staffelberg und – auf der anderen Mainseite – Kloster Banz, gibt es noch weitere, weniger prominente. Auf meinem Weg vom Staffelberg Richtung Bamberg sah ich schon von weithin die Hankirche, die oberhalb des Dorfes Prächting neben einem einzelnen Gehöft liegt. Als Pfarrkirche des kleinen Ortes wirkt sie überdimensioniert und ein bisschen verlassen (und war, als ich dort rastete, verschlossen wie überraschend viele Kirchen in dieser Gegend.)

Später las ich, dass der seltsame Name sich von Hain herleitet (und man das „a“ demnach wohl lang ausspricht), und zwar durchaus im Sinne von „heiliger Hain“. In Mittelalter und Barockzeit hatte sie noch Bedeutung als regionale Wallfahrtskirche.

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Rokoko, kopflos

Statue des heiligen Dionysius in der Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen.

Statue des heiligen Dionysius in der Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen.

Einige Kilometer von Lichtenfels entfernt befindet sich auf einem Hügel die Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen. Als ich Ende Oktober zu Fuß dort ankam, hatte ich erst einmal einige Kilometer Autobahnzubringer zu erlaufen, bevor der Weg ins freie Land abbog – nicht ohne den Lärm aus dem Tal noch lange mitzunehmen. Die Kirche war weithin zu sehen, wenn auch ihre Türme eingerüstet waren und die Spitzen im Nebel verschwanden.

Im Zentrum der Kirche steht der Gnadenaltar – wirklich in der Mitte, ein freistehendes Gebilde aus Stuck und Gold, über und über ornamentiert und von vierzehn ebenfalls goldstuckigen, lebensgroßen Heiligenfiguren bevölkert. Gestern war ich noch im protestantisch-neogotischen Coburg gewesen, und nun dieses animistische Rokoko ….

Gezeichnet habe ich am Ende die Statue des heiligen Dionysius, des legendären ersten Bischofs von Paris. Er soll um 250 auf dem Montmartre, dem „Berg der Märtyrer“, geköpft worden sein und dann mit dem Kopf in der Hand noch ein Stück gelaufen sein.  Hier steht er im kostbaren Bischofsgewand und hält seinen abgeschlagenen Kopf in den Händen wie einen Prozessionsgegenstand – sozusagen ein edler Vorfahre des Claus Störtebeker. In Frankreich kennt man ihn unter dem Namen St.Denis, und in der ihm geweihten Kirche sind fast sämtliche französischen Könige begraben.